Nicht alle Wege führen nach Rom

Es ist 6 Uhr 30 morgens. Ich werde heute auf der Via Appia Antica nach Castel Gandolfo laufen. Eigentlich beginnt die erste Meile an der Porta Capena. Da es hier wie auf der Autobahn zugeht – nur ohne Seitenstreifen, ziehe ich es vor dieses Stück lieber mit dem Bus 118 zurückzulegen.

Zwischen Gräbern und Flugschneisen immer höher hinauf

Wie ich so aus den verstaubten Busfenster blicke muß ich an I giorni contati denken – ein eigentümlicher Film für das Italien jener Jahre. Elio Petri drehte ihn 1962 mit Salvatore Randone in der Rolle des Klempner Cesare, der in einer Straßenbahn miterlebt, wie ein etwa gleichaltriger Mann neben ihn an Herzinfakt stirbt (…)

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    Über die rote Schwelle zum Sand

    Ich stehe mitten auf der Brücke und blicke auf die Murg. An diesem Morgen präsentiert sich Gernsbach in all seiner Schönheit wie auf einer alten Postkarte aus der Kaiserzeit. In meinen Kopfhörern erklingt Francesco De Masis „Diamond Bossa Nova“, getragen von der himmlischen Stimme Edda Dell’Orsos: Deba – deba – daa … Schon jetzt weiß ich, was mich erwartet: ein langer, beinahe ununterbrochener Aufstieg aus dem Murgtal hinauf zur Roten Lache, weiter über den Eierkuchenberg und den Badener Sattel bis zum Sand. Ich gehe aufs Ganze, im Wissen, daß es von einem bestimmten Punkt an kein Zurück mehr gibt.

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    Wir schreiben den 31. August, den letzten Tag des meteorologischen Sommers. Als die S8 der KVV den Hördener Bahnhof erreicht, ist es kurz vor 10:00 Uhr. Ich steige aus und laufe links den Bahnsteig entlang bis zur Klingelbergstraße. Unentschlossen, welche Richtung ich genau nehmen soll, laufe ich zunächst die Klingelbergstraße hinunter bis zur Landstraße und dann rechts bis zur Hördener Straße. Kurz vor dem Bahnübergang, an einem Schlemmer-Service, stelle ich fest, dass ich mich im Kreis gedreht habe. Ich bleibe stehen. Überlege. Mein Blick fällt auf den Boden. Vor meinen Füßen bemerke ich zwei Stolpersteine, die in der Morgensonne wie zwei Bernsteinbroschen leuchten. Ich schaue genauer hin und lese: Hans Maier – HIER WOHNTE HANS MAIER JG. 1922 VERHAFTET 1941 ERMORDET 1941 IN MAUTHAUSEN und auf dem anderen Stein: Zerline Stengel – HIER WOHNTE ZERLINE STENGEL GEB. MAIER JG. 1858 DEPORTIERT 1943 ERMORDET IN AUSCHWITZ.

  • Quo Vadis?

    So’ le sei e mezza de mattina. Oggi me faccio la Via Appia Antica fino a Castel Gandolfo. A dì er vero, er primo miglio comincia a Porta Capena. Ma qua er traffico corre come su ’n’autostrada, co’ la sola differenza che nun c’è manco la corsia d’emergenza. Pe’ arrivà sano e salvo a Castel Gandolfo, preferisco famme ’sto tratto cor 118.

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    Hoch Gorgias sorgt auch heute für einen sonnigen Tag – vielleicht etwas zu sonnig für die hiesigen Breitengrade. Die Isothermen verlaufen dabei so, wie sie bei einer solchen Wetterlage eben verlaufen, der Luftdruck ist hoch, die Niederschlagsneigung gering, und die Sonne, die im Murgtal bereits kurz nach fünf Uhr aufgegangen ist, hat an diesem 20. Juni genügend Zeit, ihrer Arbeit nachzugehen. Mit weniger Worten: Es wird heiß.

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  • Auf der Kanonenkugel nach Bad Herrenalb

    Noch bevor die Sonne hinter dem Mahlberg hervorkommt und ihre Strahlen in das Waldprechtstal wirft, will ich in Waldprechtsweier sein. Ich stehe am Albtalbahnhof von Karlsruhe und warte auf die Bahn, die mich in wenigen Minuten nach Ettlingen bringen soll. Genauer gesagt zur Haltestelle Erbprinz, wo ich in den Bus 104 umsteige und nach Waldprechtsweier weiterfahre. Bis hierher funktioniert der öffentliche Nahverkehr genauso, wie es im Fahrplan des KVV steht. Der Bus, der mich nach Waldprechtsweier bringen soll, hält direkt um die Ecke, an der Rastatter Straße 8–10. Bis er vorfährt, sind noch ein paar Minuten Zeit. Ich nutze die Gelegenheit und schaue mir das Eckhaus etwas näher an, laufe das Trottoir hinauf bis zum Bahnübergang.