Vier Laternen für Flora

Sobald die Sonne hinter den Ausläufern des Nordschwarzwaldes hervorblinkt, ist es mit der Morgenfrische vorbei. Heute sollen es über dreißig Grad werden. Doch bis die Hitze den Karlsruher Stadtgarten erreicht, dauert es noch ein bißchen. Ich nutze die Zeit, um mir auf seinen schattigen Wegen die Beine zu
Nicht weit vom Nordeingang biege ich rechts hinter der Nancyhalle in einen Weg ein. Dieser zieht in einem weiten Bogen um eine Wiese und führt den Parkbesucher zu den bunten Rosenbeeten. Auf halbem Weg komme ich an einer überlebensgroßen Figur aus Muschelkalk vorbei – es ist Flora, die römische Göttin der Blumen und der Blüte. Das Kunstwerk wurde von Meier Abraham Straus – Karlsruher Bankier und Kunstmäzen – in Auftrag gegeben und 1918/19 von Georg Schreyögg geschaffen.
Während der nationalsozialistischen Zeit wurde der Name des jüdischen Stifters vom Sockel entfernt. Erst Jahrzehnte später brachte man ihn wieder an.
Ursprünglich befand sich die Skulptur am Haupteingang des Stadtgartens, gegenüber dem Hauptbahnhof. Seit 1970 liegt sie hier am Rand des Rosengartens.
Ich sehe, daß auf dem Sockel der Skulptur vier grüne Gebilde liegen. Von weitem sehen sie wie vier Steine aus, die dort jemand platziert hat. Bei näherem Hinsehen entpuppen sie sich aber als die Früchte des Blasenbaums, Koelreuteria paniculata, der auf der gegenüberliegenden Seite des Weges wächst.
Der Baum kommt ursprünglich aus Ostasien und gehört zu den Seifenbaumgewächsen. Seine gefiederten Blätter treiben im Frühjahr oft rötlich oder bronzefarben aus, werden im Sommer grün und färben sich im Herbst gelb. Über dem Laub erscheinen große Rispen aus zahlreichen kleinen gelben Blüten. Fallen sie herab, liegt unter dem Baum ein goldener Teppich. Im Englischen nennt man ihn deshalb »Golden Rain Tree«.
Auch der wissenschaftliche Name des Baumes führt nach Karlsruhe zurück. Die Gattung Koelreuteria ist nach Joseph Gottlieb Kölreuter benannt, einem Naturforscher des 18. Jahrhunderts, der lange in der Stadt wirkte. Seine Untersuchungen zur Bestäubung, Befruchtung und Kreuzung von Pflanzen machten ihn zu einem Wegbereiter der experimentellen Pflanzenforschung.
Von selbst, sage ich mir, sind sie nicht in dieser Anordnung auf den Sockel gelangt. Irgendjemand muß sie also vom Boden aufgehoben und nebeneinandergelegt haben.
Die Früchte sind leicht, aufgebläht und von feinen Nähten durchzogen. Sie ähneln kleinen, aus Papier gefalteten Laternen.
Nach der Blüte entstehen dreigeteilte, papierartige Fruchtkapseln. Zunächst sind sie grün, später werden sie gelblich, rötlich oder bronzefarben und schließlich braun. Beim Trocknen werden ihre Wände dünn und spröde. Im Inneren liegen harte, dunkle Samen, rund wie kleine schwarze Perlen.
Vielleicht gefielen dieser Person nur ihre ungewöhnliche Form und die grüne Farbe. Vielleicht kannte sie aber auch die Geschichte der Statue und des Namens im Stein. Vielleicht wußte sie davon überhaupt nichts.
‚Nach jüdischem Brauch legt man Steine auf ein Grabmal. Sie zeigen, daß jemand dort gewesen ist und der Verstorbene nicht vergessen wird. Der Sockel der Flora ist kein Grabmal. Doch an dieser Stelle erhalten die vier grünen Kapseln eine Bedeutung, die ihnen anderswo kaum zukäme.
Inzwischen steigt die Temperatur weiter. Bald wird die Luft über den Wegen flimmern, und die vier grünen Laternen auf dem Sockel der Flora werden in der grellen Mittagssonne langsam eintrocknen.
Quattro laterne per Flora
15 luglio 2026

Appena il sole spunta dietro i rilievi settentrionali della Foresta Nera, il fresco del mattino ha già le ore contate. Anche oggi la temperatura supererà i trenta gradi. Nello Stadtgarten di Karlsruhe, però, il caldo arriverà un po’ più tardi. Ne approfitto per sgranchirmi le gambe lungo i suoi viali ombrosi.
Poco dopo l’ingresso nord, superata la Nancyhalle, imbocco un sentiero sulla destra. Il percorso costeggia un grande prato, disegna un’ampia curva e conduce verso le aiuole colorate del Rosengarten. A metà strada incontro una figura in pietra, più grande del vero: è Flora, la dea romana dei fiori e della fioritura.
La scultura, scolpita nel calcare conchiglifero, fu commissionata dal banchiere e mecenate di Karlsruhe Meier Abraham Straus e realizzata da Georg Schreyögg tra il 1918 e il 1919.
Durante il nazismo il nome del donatore ebreo venne cancellato dal basamento. Vi fu inciso nuovamente molti anni dopo.
In origine la statua si trovava presso l’ingresso principale dello Stadtgarten, di fronte alla stazione centrale. Dal 1970 la scultura si trova qui, ai margini del Rosengarten.
Sul basamento noto quattro piccoli oggetti verdi. Da lontano sembrano altrettante pietre, disposte lì da qualcuno. Avvicinandomi scopro invece che sono i frutti di una Koelreuteria paniculata, l’albero che cresce sul lato opposto del sentiero.
Originaria dell’Asia orientale, la Koelreuteria appartiene alla famiglia delle Sapindacee. In primavera le foglie pennate spuntano spesso con tonalità rossastre o bronzee; d’estate diventano verdi e in autunno si tingono di giallo. Tra il fogliame compaiono grandi pannocchie formate da numerosi fiorellini gialli. Quando cadono, ai piedi dell’albero si forma un tappeto dorato. Per questo, in inglese, viene chiamato Golden Rain Tree.
Anche il nome botanico dell’albero riconduce a Karlsruhe. Il genere Koelreuteria è dedicato a Joseph Gottlieb Kölreuter, naturalista del Settecento che lavorò a lungo in città. Le sue ricerche sull’impollinazione, sulla fecondazione e sull’ibridazione delle piante ne fecero uno dei precursori della botanica sperimentale.
Quelle quattro capsule, mi dico, non possono essere finite sul basamento, per di più così ben disposte, da sole. Qualcuno deve averle raccolte da terra e allineate una accanto all’altra.
Sono leggere, gonfie, percorse da sottili nervature. Sembrano piccole lanterne di carta.
Dopo la fioritura si formano capsule trilobate. All’inizio sono verdi; in seguito assumono tonalità giallastre, rosate o bronzee, prima di diventare marroni. Seccandosi, le pareti si assottigliano e diventano fragili. All’interno custodiscono semi duri, scuri e rotondi, simili a piccole perle nere.
Forse chi le ha raccolte è rimasto colpito soltanto dalla forma insolita e dal colore ancora vivo. Forse conosceva la storia della statua e del nome inciso nella pietra. Forse non ne sapeva nulla. Secondo la tradizione ebraica, si posa una pietra su una tomba per lasciare traccia della propria visita e ricordare chi non c’è più. Il basamento di Flora non è una lapide. Eppure, proprio qui, quelle quattro capsule verdi acquistano un significato che altrove non avrebbero.
Intanto la temperatura continua a salire. Tra poco l’aria comincerà a tremare sopra i viali. Sul basamento di Flora restano le quattro lanterne verdi.