Patrick Leigh Fermor und die Zeit der Gaben.

Es ist kurz vor halb elf Uhr morgens. Ich stehe vor dem Acherner Busbahnhof und halte Ausschau nach einem Bus. Ganz hinten steht schon einer. Ich laufe schnell hin. Als ich ihn erreiche, klopfe ich vorsichtig ans Seitenfenster.
Der Busfahrer sitzt, auf das Lenkrad gestützt und hört Radio. Da man inzwischen immer seltener auf einheimische Busfahrer stößt, frage ich ganz höflich auf Hochdeutsch, wo der Bus nach Oberkirch hält. Kaum habe ich meinen Satz ausgesprochen, antwortet der Mann mit einem kurzen: „Ich.“
Verdutzt, wie ich bin, bedanke ich mich und steige ein. Ich glaube, der Busfahrer hat mir meine Überraschung angemerkt. Einen Augenblick überlege ich, ob ich etwas sagen soll. Dann lasse ich es.

Zwei Minuten später setzt sich der Bus der Linie 7124 von Achern nach Oberkirch in Bewegung. Die Straße führt durch eine liebliche Landschaft, durch Dörfer, Weinberge und Obstgärten. Alles wirkt ordentlich und friedlich. In manchen Orten haben sich Schaufenster erhalten, die aussehen, als wären sie seit den sechziger Jahren nicht mehr verändert worden. Rahmen, Proportionen, Schriftzüge – Relikte einer anderen Zeit, die etwas zu erzählen haben, während die heutigen Auslagen gesichtslos wirken.
Ähnlich ist es mit alten Kneipen- und Brauereischildern an den Fassaden. Deutsche Namen, alte Bierwerbung, manchmal noch ein Ausleger über der Straße.
In Ulm fällt mir an einem Eckhaus ein altes Nasenschild auf. Wie ein Motiv aus einem Gemälde des badischen Malers Karl Weysser hängt es dort über der Straße: Zwei Männer tragen ein hölzernes Bierfaß. Darunter steht „Bauhöfers Braustüble“, ein roter Pfeil weist nach rechts in die Ullenburgstraße. Wie alt das Nasenschild ist, weiß ich nicht. Alt wirkt es jedenfalls. Solche Dinge verschwinden langsam aus den Dörfern.

Gegen 11.20 Uhr mache ich mich in Oberkirch auf den Weg. Der Weg von Oberkirch über den Eselskopf hinunter nach Ottenhöfen ist kein Spaziergang. Der Eselskopf ist rund 640 Meter hoch. Der Pfad auf den Gipfel beginnt allerdings auf der anderen Seite des Berges. Um ihn zu erreichen, müßte ich erst einmal den halben Berg umlaufen. Dazu habe ich keine Lust.
Mir bleibt also nichts anderes übrig, als den steilen Waldhang hinaufzusteigen.Dabei steige ich nicht durch die vertraute Buntsandsteinlandschaft, wie ich sie von Gaggenau, Gernsbach oder dem Albtal kenne, sondern stoße auf das weitaus ältere variskische Grundgebirge. Riesige Felsblöcke stellen sich mir in den Weg. Der Oberkirch-Granit, aus dem viele von ihnen bestehen, entstand vor rund 330 bis 340 Millionen Jahren tief in der Erdkruste.
Während ich mich zwischen den Blöcken hindurcharbeite, sage ich mir, daß ich wahrscheinlich der erste Mensch bin, der ausgerechnet diesen oder jenen Stein berührt.
Neben dem Granit begegnet man hier Quarzporphyr – Rhyolith aus dem Perm, rund 300 Millionen Jahre alt –, der überall aus dem Waldboden hervorlugt. Unterkarbon und Perm treten hier buchstäblich ans Tageslicht.
Überall liegen umgestürzte Bäume und Totholz herum, aus dem Waldboden sprießt üppiges, dornenreiches Gestrüpp. Da ich solche Abkürzungen ab und zu nehme – dort, wo es erlaubt ist –, trage ich stets lange Hosen, am besten von Leo Köhler & Co. Mit denen kann man ohne Probleme durch Dornengestrüpp. Wenn es heiß wird, krempelt man die Hosenbeine eben hoch – schon hat man etwas mehr Luft.

Blick vom Spitzfelsen ins Simmersbachtal

Doch Obacht: Gestrüpp kann so dicht und großflächig sein, daß schlicht kein Durchkommen mehr ist. Dann hilft auch die beste Hose nichts. Man kehrt um oder sucht sich eine andere Linie durch den Wald.
Der direkte Aufstieg auf den Eselskopf ist kurz, aber steil. Auf dem letzten halben Kilometer kommen ungefähr 90 Höhenmeter zusammen, im Mittel also um die 18 Prozent. Danach geht’s ein bißchen hinunter, um schließlich noch einmal die 700 Meter zu erreichen, bevor’s abwärts Richtung Ottenhöfen geht.
In Ottenhöfen genehmige ich mir bei der Bäckerei-Konditorei Orlemann in der Ruhesteinstraße erst einmal eine Brezel und ein Plunderstück. Lange halte ich mich dort aber nicht auf. Ich esse und ziehe dabei Richtung Seebach weiter (…)

Oberkirch – Ottenhöfen – Mummelsee · 10.08.2026

Wert Garmin 165 Komoot Outdooractive Topografie
Strecke 20,8 km 19,7 km – –
Obstler – –
Aufstieg 1.401 m 1.156 m – –
Obstler – –
Abstieg 573 m 535 m – –
Obstler – –
Höchster Punkt 1.026 m 840 m – ca. 1.036 m
Obstler – –
Tiefster Punkt 198 m 196 m – ca. 192 m
Obstler – –
Bereinigt*
Strecke ca. 19,9 km ca. 19,9 km – –
Aufstieg ca. 1.330 m ca. 1.330 m – –
Abstieg ca. 490 m ca. 490 m – –
Höchster Punkt ca. 1.036 m ca. 1.036 m – ca. 1.036 m
Tiefster Punkt ca. 192 m ca. 192 m – ca. 192 m
Gesamt 17 / 25 15 / 25 – –

Bewertungsskala Obstler:
= Abweichung 0–2 %
= über 2–5 %
= über 5–10 %
= über 10–15 %
= über 15–25 %
0 Obstler = über 25 %
– = kein Messwert

* Nach Prüfung der GPS-Rohdaten und unter Berücksichtigung der Topografie ermittelte Vergleichswerte. Die Originalangaben der einzelnen Systeme bleiben unverändert. Auf dem letzten Abschnitt weist die Komoot-Aufzeichnung eine deutliche GPS-/Standortstörung auf. Auch die parallel laufende Garmin Forerunner 165 zeigt in der Gesamtaufzeichnung einzelne GPS-bedingte Abweichungen, jedoch nicht dieselbe Störung wie Komoot. Beide Aufzeichnungen beruhen auf voneinander unabhängigen Systemen: Komoot zeichnete über das Smartphone auf, Garmin über das eigene GNSS-System der Forerunner 165. Die genaue Ursache der jeweiligen Abweichungen ließ sich nicht feststellen.

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