Autor: Domenico Tankreti Cassata

  • Von den Bernsteinbroschen zum Bernsteingipfel

    Wir schreiben den 31. August, den letzten Tag des meteorologischen Sommers. Als die S8 der KVV den Hördener Bahnhof erreicht, ist es kurz vor 10:00 Uhr. Ich steige aus und laufe links den Bahnsteig entlang bis zur Klingelbergstraße. Unentschlossen, welche Richtung ich genau nehmen soll, laufe ich zunächst die Klingelbergstraße hinunter bis zur Landstraße und dann rechts bis zur Hördener Straße. Kurz vor dem Bahnübergang, an einem Schlemmer-Service, stelle ich fest, dass ich mich im Kreis gedreht habe. Ich bleibe stehen. Überlege. Mein Blick fällt auf den Boden. Vor meinen Füßen bemerke ich zwei Stolpersteine, die in der Morgensonne wie zwei Bernsteinbroschen leuchten. Ich schaue genauer hin und lese: Hans Maier – HIER WOHNTE HANS MAIER JG. 1922 VERHAFTET 1941 ERMORDET 1941 IN MAUTHAUSEN und auf dem anderen Stein: Zerline Stengel – HIER WOHNTE ZERLINE STENGEL GEB. MAIER JG. 1858 DEPORTIERT 1943 ERMORDET IN AUSCHWITZ.

  • Die Wölfe vom Gunzenbachtal

    Es ist kurz vor 9 Uhr morgens. Auf Gleis 14 steht schon der RE 2 4719 Karlsruhe–Konstanz, der mich heute nach Bühl bringen soll. Ich will vom Obertal hoch zum Schwanenwasen und von dort weiter, am Völlerstein vorbei, zum Zimmerplatz um schließlich durch das Gunzenbachtal hinunter zur Lichtentaler Allee zu gelangen.
    Bis Rastatt läuft alles nach Plan. Doch dann kommt die allzeit gefürchtete Durchsage, daß irgendetwas nicht stimmt. Dabei bleibt der Schaffner erstaunlich gelassen, ja geradezu vergnügt kommt es da aus den Lautsprechern, daß der vorausfahrende Zug, der ICE 101 von Dortmund Hbf nach Brig, schlappgemacht hat und nun die Strecke blockiert. Es gibt also wieder reichlich DB-Spektakel. Hinter mir sitzt ein russisches Pärchen. Die junge Frau will wissen wann es weiter geht. „Vielleicht heute Abend“, sage ich. „Oder eher morgen. Ich hoffe, Sie haben Zahnbürste und etwas zu essen dabei.“

  • Acht Gipfel bis zum Mummelsee

    Wanderungen vom Murgtal hinauf zur Schwarzwaldhochstraße habe ich schon in allen Varianten unternommen. Von Gernsbach, Forbach, Raumünzach, Kirschbaumwasen, Schönmünzach, Huzenbach – und jetzt Röt, wo ich gegen 9.30 Uhr mit der S8/S81 aus Karlsruhe ankomme. Ich habe vor, auf dem Ölleitungsweg über den Pfälzerkopf zum Mummelsee zu gehen. Es ist nicht mehr so heiß wie in den letzten Tagen und deshalb ideal für den langen Abschnitt nach dem Dammerskopf (840m) auf dem man über viele Kilometer bis zum Pfälzerkopf (1010m) eher marschiert als wandert.
    Bevor ich Röt verlasse, mache ich noch ein paar Fotos. Die Motive erinnern mich an die Bilder auf Kalendern, die man in den 70er Jahren vom Apotheker geschenkt bekam. Landschaften voller Verheißung, Lichtkraft und Weite. So präsentiert sich mir an diesem Morgen der offene Wiesenhang, die Röter Wiese, die Nollenäcker, der Köpflesberg, Etersach und andere Gewanne.

  • Mit einem Bein schon im Schwarzwald

    Geologisch führt Ettlingen gewissermaßen ein Doppelleben. Während die Altstadt noch am Rand des Oberrheingrabens liegt, beginnt nur ein paar Minuten weiter oben auf dem Panoramaweg am Weißen Bergle bereits der Nordschwarzwald – atmosphärisch ist er in Ettlingen aber längst allgegenwärtig. Vieles Historische und Architektonische verrät die Nähe zum Schwarzwald: die steilen Dächer, Fachwerk, kräftige Sandsteinsockel, rote Buntsandsteinelemente, Ornamente, Fassadengrafiken, alte Schriftzüge, Marktplatz, Albbrücke, Nepomuk und die kühle Prise aus dem Albtal.

  • Auf der Kanonenkugel nach Bad Herrenalb

    Noch bevor die Sonne hinter dem Mahlberg hervorkommt und ihre Strahlen in das Waldprechtstal wirft, will ich in Waldprechtsweier sein. Ich stehe am Albtalbahnhof von Karlsruhe und warte auf die Bahn, die mich in wenigen Minuten nach Ettlingen bringen soll. Genauer gesagt zur Haltestelle Erbprinz, wo ich in den Bus 104 umsteige und nach Waldprechtsweier weiterfahre. Bis hierher funktioniert der öffentliche Nahverkehr genauso, wie es im Fahrplan des KVV steht. Der Bus, der mich nach Waldprechtsweier bringen soll, hält direkt um die Ecke, an der Rastatter Straße 8–10. Bis er vorfährt, sind noch ein paar Minuten Zeit. Ich nutze die Gelegenheit und schaue mir das Eckhaus etwas näher an, laufe das Trottoir hinauf bis zum Bahnübergang.

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    Patrick Leigh Fermor und die Zeit der Gaben.

    Es ist kurz vor halb elf Uhr morgens. Ich stehe vor dem Acherner Busbahnhof und halte Ausschau nach einem Bus. Ganz hinten steht schon einer. Ich laufe schnell hin. Als ich ihn erreiche, klopfe ich vorsichtig ans Seitenfenster.
    Der Busfahrer sitzt, auf das Lenkrad gestützt und hört Radio. Da man inzwischen immer seltener auf einheimische Busfahrer stößt, frage ich ganz höflich auf Hochdeutsch, wo der Bus nach Oberkirch hält. Kaum habe ich meinen Satz ausgesprochen, antwortet der Mann mit einem kurzen: „Ich.“
    Verdutzt, wie ich bin, bedanke ich mich und steige ein. Ich glaube, der Busfahrer hat mir meine Überraschung angemerkt. Einen Augenblick überlege ich, ob ich etwas sagen soll. Dann lasse ich es.

  • Dall’Iowa a Gaggenau in meno de 14 chilometri

    Stamattina, a dì la verità, volevo annà nell’Albtal. Poi però me viene de botto de pijà verso Achern. Poco prima de Rastatt comincio a avé i primi dubbi: co’ ’ste temperature, forse è mejo lascià perde. A Rastatt scenno de novo dar treno e me chiedo: e mo’ ’ndo vado? Ma proprio allora, come niente fosse, arriva già er treno pe’ Baden-Baden. Ferma a Haueneberstein. E io lì vojo annà.
    Quanno scenno alla stazione de Haueneberstein, me ritrovo davanti solo du’ muri enormi, co’ du’ binari in mezzo. De ’na stazione vera e propria, pure fosse solo ’n capannetto, nun se vede niente. Dietro a ’sti muri ce potrebbe sta de tutto: ’na centrale nucleare, ’no scalo merci, ’n aeroporto internazionale – chi lo sa. E manco l’ombra de bandiere o de cartelloni pe’ er Casinò, le terme o er Festspielhaus – e sì che Haueneberstein fa parte de Baden-Baden.

  • Von Iowa nach Gaggenau auf weniger als 14 Kilometer

    Eigentlich wollte ich heute Morgen ins Albtal. Doch ich entscheide mich spontan Richtung Achern zu fahren. Kurz vor Rastatt kommen mir aber die ersten Zweifel, ob ich es bei diesen hohen Temperaturen doch lieber lassen soll. Ich steige in Rastatt wieder aus und frage mich wohin. Doch dann kommt völlig unerwartet schon der Zug nach Baden-Baden. Er hält in Haueneberstein. Dort will ich hin.

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    Der lange Weg durch die Erdgeschichte

    Diese Wanderung von Bad Herrenalb über die Teufelsmühle und den alten Grenzweg zum Rockertfelsen führt nicht nur von der Alb hinüber ins Murgtal. Auf rund einundzwanzig Kilometern durchquert sie zugleich verschiedene geologische Formationen, dichte Waldlandschaften und einen historischen Grenzraum, dessen Steine noch heute am Weg stehen. Felsen, Pflanzen und Tierspuren machen den Weg zu einer kleinen Reise durch Erd- und Landschaftsgeschichte.